Der Corona-Virus in Asien und seine Auswirkungen auf die Logistik

Der Corona-Virus in Asien hat auch Auswirkungen auf die Logistik: Ein Großteil des internationalen Flugverkehrs von und nach China wurde bereits eingestellt, während der Schiffsverkehr bislang kaum betroffen ist.

Der Corona-Virus und seine Verbreitung

Infografik: Coronavirus: Diese Länder sind betroffen | Statista
Coronavirus: Diese Länder sind betroffen (Infografik von Statista)

Im Dezember 2019 gab es in der zentralchinesischen Großstadt Wuhan mehrere Fälle von schwerer Lungenentzündung mit bislang ungeklärter Ursache. Am 7. Januar 2020 wurde das Corona-Virus als neue Krankheit identifiziert. Bis zum 21. Februar 2020 gab es insgesamt 76.775 bestätigte Fälle des Corona-Virus, davon 80% in der chinesischen Provinz Hubei. Die Behandlungschancen des Corona-Virus sind sehr gut: Die Mortalitätsrate liegt bei 1-2% der Infizierten. In der Millionenstadt Chongqing starben bislang fünf Personen, während 250 Patienten wieder gesund sind. Der Schaden, den das Corona-Virus anrichtet, hat vorrangig finanzielle Auswirkungen: mehrwöchiger Quarantäne- oder Krankenhausaufenthalt mit Verdienstausfall sowie Behandlungskosten, die im Idealfall durch eine Krankenversicherung erstattet werden. Noch unklar ist, ob die Löhne während der Quarantänezeit weiterhin gezahlt werden.  

Außerhalb Chinas hat sich Südkorea (204 Fälle) zum zweithäufigsten Verbreitungsort des Corona-Virus entwickelt, gefolgt von Japan (107 Fälle) und Singapur (85 Fälle). In Deutschland gab es insgesamt 16 Fälle, von denen inzwischen 12 als geheilt entlassen wurden. 

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Ausfälle im chinesischen Inlandsverkehr 

Um weitere Ansteckungen außerhalb der Region Wuhan zu verhindern, hat die chinesische Regierung den Verkehr von und nach Wuhan stark eingeschränkt. Am 23. Januar 2020 um 10 Uhr wurde der gesamte Auto-, Bahn-, Bus-, Flug- und Schiffsverkehr in der Millionenstadt Wuhan eingestellt. Lebensmittel dürfen nur noch über das Internet bestellt werden. 

Fracht- und Postflüge von und nach Wuhan werden weiterhin durchgeführt, Binnenschiffe verkehren auch wieder von und nach Wuhan.  

Der Zugverkehr zwischen den übrigen Städten Chinas ist bislang nicht betroffen. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, werden alle Personen, die sich im Epidemie-Schwerpunkt Wuhan aufgehalten haben, medizinisch untersucht und vorübergehend in Quarantäne geschickt. Dies führt kurzfristig zu Verzögerungen im Güterverkehr. 

Der Schiffsverkehr ist nicht betroffen. Am Mittwoch, dem 19. Februar 2020, sind im Hafen Guangzhou 290 Schiffe angekommen und 284 Schiffe abgefahren.  In Ningbo-Zhoushan, dem wichtigsten Hafen der chinesischen Provinz Zhejiang, sind am gleichen Tag 419 Schiffe angekommen und 525 Schiffe abgefahren, in Ningbo selbst sind noch einmal 320 Schiffe angekommen und 312 Schiffe abgefahren. 

Zum Vergleich: In Antwerpen sind am gleichen Tag 350 Schiffe angekommen. 

Ausfälle im internationalen Luftverkehr 

Betroffen ist auch der internationale Luftverkehr, der von vielen Fluggesellschaften eingestellt bzw. eingeschränkt wurde. Zahlreiche europäische Fluggesellschaften haben sich für eine vollständige Einstellung des Luftverkehrs entschieden, zahlreiche asiatische Fluggesellschaften haben den Flugverkehr um die Hälfte reduziert. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Verbreitung des Virus, deren Rahmenbedingungen im Folgenden näher erläutert werden. 

China – Asien

Die Philippinen und Vietnam haben den gesamten Flugverkehr von und nach China eingestellt. Andere asiatische Fluggesellschaften haben ihre Flugverbindungen nach China reduziert, so bietet Thai Airways nur noch einen Flug pro Tag auf den Strecken, auf denen es vorher zwei Flüge gegeben hat. Singapore Airlines fliegt nur noch einmal pro Tag nach Peking und jeden zweiten Tag nach Guangzhou. Emirates fliegt weiterhin nach Peking, hat jedoch die Flüge nach Shanghai und Guangzhou eingestellt. Oman Air und Qatar Airways haben sämtliche Flüge von und nach China bis auf weiteres eingestellt. 

Zwischen China und Japan wurden die Flüge reduziert. ANA fliegt nur noch einmal täglich von Tokio nach Peking und Shanghai sowie dreimal wöchentlich von Osaka nach Shanghai. Japan Airlines fliegt nur noch einmal täglich zwischen Peking und Tokio, zweimal täglich zwischen Shanghai und Tokio sowie dreimal wöchentlich zwischen Shanghai und Osaka. 

Zwischen China und Südkorea wurden die Flüge nach einem ähnlichen Schema reduziert. Asiana Airlines fliegt weiterhin nach Peking (täglich), Changchun, Chengdu, Dalian, Guangzhou, Hangzhou, Harbin, Nanjing, Shanghai, Tianjin und Xi’an (mehrmals wöchentlich). Korean Air fliegt weiterhin einmal täglich nach Peking, Qingdao und Shanghai sowie mehrmals wöchentlich nach Dalian und Guangzhou. Aufgrund dieser regelmäßigen Flugverbindungen gibt es in Japan, Singapur und Südkorea die meisten Neuerkrankungen außerhalb Chinas. 

China – Australien / Nordamerika

Amerikanische Fluggesellschaften (Air CanadaAmerican AirlinesDeltaUnited Airlines) haben den Flugverkehr von und nach China (einschließlich Hongkong) bis Ende April 2020 eingestellt. Air China fliegt weiterhin nach Los Angeles, New York und Vancouver. Die australische Fluggesellschaft Qantas fliegt bis zum 29. März 2020 nicht mehr nach China, wohl aber nach Hongkong und Taiwan. Air New Zealand fliegt nicht mehr von und nach Shanghai, Cathay Pacific betreibt jetzt die Flüge von und nach Hongkong. 

China – Europa 

Die russische Fluggesellschaft Aeroflot und chinesische Fluggesellschaften fliegen weiterhin zwischen China und Europa, europäische Fluglinien haben ihre Flüge nach China vorerst eingestellt. Air France und KLM, die finnische Fluggesellschaft Finnair und die polnische LOT, die Lufthansa, SWISS und Austrian Airlines haben alle Flüge von und nach China bis 28. März 2020 eingestellt, British Airways und SAS bis zum 31. März 2020. 

Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft 

Einschränkungen des Öffentlichen Personennahverkehrs und Fernverkehrs in Verbindung mit strengen Gesundheitskontrollen für alle Mitarbeiter haben zur Folge, dass Fabriken für längere Zeit geschlossen bleiben. Fabriken in der Küstenmetropole Wenzhou sollen bis zum 17. Februar, Fabriken in der Provinz Hubei sogar bis mindestens 20. Februar 2020 geschlossen bleiben. Fabriken in Guangzhou und Tianjin sollen bis zum 1. März 2020 geschlossen bleiben. 

Bedingt durch schärfere Kontrollen, quarantänebedingten Personalmangel und Umleitung von Containerschiffen kommt es zu Verzögerungen im Gütertransport. Insbesondere bei Tiefkühlfleisch besteht die Gefahr, dass die Ladung bei unzureichender Kühlung verdirbt. 

https://www.n-tv.de/wirtschaft/In-China-tuermen-sich-Berge-an-Tiefkuehlfleisch-article21584162.html

Diese Epidemie gilt als höhere Gewalt (“Force Majeure”), deshalb hat das China Council for the Promotion of International Trade (CCPIT) bis zum 16. Februar 2020 bereits für 1.615 Unternehmen Zertifikate ausgestellt, um zu dokumentieren, dass Güter im Wert von 14,5 Milliarden Euro aufgrund der Epidemie nicht rechtzeitig ausgeliefert werden konnten.  

Auswirkungen auf die globale Wirtschaft

Der Seetransport zwischen Shanghai und Rotterdam dauert 28 Tage, so dass Produktionseinstellungen in China bislang noch keine Auswirkungen in Europa hatten. Aufgrund ihrer Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern mussten japanische und südkoreanische Autohersteller (Hyundai, Kia, Nissan, Ssangyong) ihre Produktion vorübergehend einstellen. Wichtige Zulieferer der Pharmaindustrie produzieren in der besonders schwer getroffenen Metropole Wuhan. 

Im Hafen Busan (Südkorea) erkennt man einen leicht rückläufigen Trend beim Schiffsverkehr. 

Aufgrund des Corona-Virus wurde der Mobile World Congress in Barcelona, der eigentlich vom 24. bis 27. Februar 2020 stattfinden sollte, abgesagt. Die fast zeitgleich stattfindende Messe “embedded world” in Nürnberg wird durchgeführt. Die Intralogistik-Messe LOGIMAT 2020 in Stuttgart wurde ebenfalls abgesagt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus, insbesondere für Japan, Singapur und Südkorea, sind derzeit noch nicht absehbar.  

Supply Chain Risk Management 

Ein Thema, das in diesem Zusammenhang für Logistiker stark in den Fokus rückt, ist Supply Chain Risk Management. Mit SCRM-Systemen können die Risiken von außergewöhnlichen Umständen, die Lieferketten unterbrechen, identifiziert und bewertet werden. Es gibt hierzu viele Software-Lösungen, um kurzfristige Veränderungen dieses Risikos anzuzeigen und somit kurzfristige Anpassungen in der Produktion zu ermöglichen. 

https://logistik-heute.de/news/scrm-den-risikofaktor-coronavirus-beherrschen-29902.html

>>> Ein aktueller Beitrag zu den Entwicklungen in Europa inkl. Videointerview mit der Digitalspedition FreightHub GmbH kann hier abgerufen werden: https://bvl-digital.de/corona-virus-in-europa-angekommen