Innovation Pitches #3: Lieferketten sichern

Die Innovation Pitches sind ein schnelles Format zur Vorstellung von neuen Produkten und inzwischen bei den Teilnehmern überaus beliebt. Vier Gäste aus verschiedenen Unternehmen präsentieren jeweils 15 Minuten lang ihre innovativen Produkte.

Durch die Corona-Krise wurden globale Lieferketten kurzfristig unterbrochen. „Wie können Logistiker durch Supply Chain Management rechtzeitig auf eine solche Krise reagieren?“, war das Kernthema der Vorträge in dieser Sendung.

myleo / dsc – ein Dashboard für die gesamte Transportkette

In seinem ersten Vortrag präsentierte Michael Rölli, PreSales Lead – Digital Supply Chain bei der leogistics GmbH, die Cloud-Lösung MyLeo DSC.

Die Logistik ist „ein hochkollaborativer Prozess mit großem Potenzial zur Digitalisierung“. MyLeo DSC soll die Transportlogistik digitalisieren, indem verschiedene Software-Programme zu einer Internet-Plattform zusammengeführt werden: Das Zeitfenstermanagement myleo SLOT, die Tracking-Software myleo TNT, bald auch das Yard-Management-Programm myleo YARD und das Inbound-Steuerungs-Programm myleo SUPPLY. Alle diese Daten sollen auf einem einzigen Dashboard zusammengefasst werden. Wo befindet sich der ankommende LKW gerade? Falls der LKW gerade im Stau steckt, werden die Prozesse im Werk umgeplant und ein anderer Auftrag zuerst bearbeitet. Sobald der LKW 30 Kilometer vom Lager entfernt ist, beginnt die Auslagerung und Kommissionierung der Ware, damit die Paletten rechtzeitig an der Rampe stehen und keinen unnötigen Platz in der Auslieferungszone beanspruchen.

Kunden informieren mit Dispatchy

„Was haben ERP, TMS, Excel und Notizblock gemeinsam?“, fragte Frederik Rumpf, verantwortlich für das Business Development bei der Dispatchy GmbH zum Auftakt des zweiten Vortrags. Jedes System kann nur einen Teil der Informationen speichern und weitergeben, während ein Teil der Informationen bei der Weitergabe von einem zum anderen System verloren geht.

Dispatchy möchte die Kommunikation zwischen allen Beteiligten der Transportkette (Empfänger, Verlader, Spediteur, Frachtführer) verbessern und präsentiert auf einem Bildschirm alle Informationen zum Transportauftrag. Wo befindet sich der LKW gerade? Wann wird er voraussichtlich am Ziel ankommen? Ist der Lieferprozess bereits abgeschlossen oder fehlt ein Mitarbeiter, der die Ware entgegennehmen kann? Falls beim Transport irgendetwas passiert, beispielsweise die Ware beschädigt wurde oder ein Dokument fehlt, beginnt die auftragsbezogene Kommunikation im Chat: Man kann dort Dokumente, Fotos und sonstige Informationen teilen und automatisch in eine andere Sprache übersetzen lassen. Langfristig soll der Chat noch produktiver werden, indem Künstliche Intelligenz häufig gebrauchte Standardtexte vorschlägt. Durch die schnelle Information aller Beteiligten stieg die Kundenzufriedenheit um 35% und die Disponenten benötigten 25% weniger Zeit für die Abwicklung.

Dispatchy ist eine Corporate Venture der Schmitz Cargobull Group, die zu den ersten Anwendern dieses Systems gehört. Ein einfaches Preismodell soll dazu beitragen, dass möglichst viele Unternehmen diese Plattform nutzen, für eingeladene Teilnehmer soll die Nutzung sogar kostenlos sein.

Twitter für die Produktionssteuerung nutzen

Wie kann man „robuste Versorgungsketten in unsicheren Zeiten aufbauen und überwachen“? lautet die Kernfrage des dritten Vortrags von Wolfgang Rüth, Leiter Business Development bei der SALT Solutions AG. Lokale Ereignisse haben Auswirkungen auf globale Lieferketten. Deutschsprachige Medien berichten üblicherweise erst 1-2 Tage später über Ereignisse. Twitter berichtet schnell über Störungen, so dass ein Produktionsleiter rechtzeitig umdisponieren kann.

Das Frühwarnsystem IMX SC Monitor untersucht mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, ob eine Nachricht wirtschaftliche Auswirkungen auf das Unternehmen hat und somit relevant ist. Ein Stromausfall („Blackout“) hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette, eine Gedächtnisstörung („Blackout“) ist für die Lieferkette weniger relevant. Wenn relevante Begriffe (beispielsweise „Hurricane“ und „Florida“) bei Twitter gemeinsam auftauchen, dann sollten alle Produktions- und Transportaufträge, die Florida betreffen, umgeplant werden.

Risiken, die einen erheblichen Einfluss auf den Produktionsprozess haben, werden bei der Bestands- und Bedarfsplanung mit SAP IBP berücksichtigt.
SAP IBP ist eine Software von SAP zur Bestands- und Bedarfsplanung mit S4/HANA. Sie kombiniert klassische Planungs- und Prognosefunktionen mit modernen Machine-Learning-Heuristiken bei den Analysen von Zeitreihen und Business-Objekten.

Zusätzliche Lager- und Produktionsstätten planen

Seit den 1980er Jahren gilt die Schlanke Produktion als Ideal der betriebswirtschaftlichen Literatur. Thomas Gawel, Sales Manager bei PSI Logistics GmbH, verwies im vierten Vortrag auf die Gefahren, wenn ein Unternehmen jeden Artikel nur an einem Produktionsstandort produziert und / oder an einem Lagerstandort vorrätig hält. Störungen an einem Produktions- oder Lagerstandort verhindern in einem solchen Fall die Lieferfähigkeit des Gesamtunternehmens. Nur 21% der Unternehmen haben belastbare Partner, die auch im Falle einer Störung weiterhin Vorprodukte liefern können.

PSIglobal, die Software zur Planung des Supply Chain Networks von PSI Logistics, berechnet die Mehrkosten für einen zweiten Produktions- und Lagerstandort. Selbstverständlich ist die Produktion und Lagerung aller Produkte an allen Standorten mit erhöhten Rüstkosten verbunden. Sollte ein Standort aufgrund technischer Schwierigkeiten (Brand, Stromausfall) nicht mehr lieferfähig sein, dann müssen andere Standorte dessen Aufgabe übernehmen. Wenn einer von fünf Produktionsstandorten kurzfristig ausfällt, dann müssen die anderen Produktionsstandorte ihre Produktion um 25% steigern, um alle Lieferverpflichtungen pünktlich zu erfüllen. Falls eine kurzfristige Produktionssteigerung nicht möglich ist, dann müssen möglicherweise externe Lieferanten mit wesentlich höheren Kosten beauftragt werden. Zur Verwaltung eines solchen Lieferantennetzwerks braucht man dann eine entsprechende Planungssoftware.

Zusätzliche Lagerstandorte ermöglichen kürzere Lieferzeiten für den Endkunden und eine Reduzierung der CO2-Emissionen. LKW-Fahrten können durch Güterzüge ersetzt werden und dadurch eine nachhaltige und ressourcenschonende Transportlogistik ermöglichen.

Innovative Technologien für das Warehouse:
Beim nächsten Event am Dienstag, 22. September 2020, von 11:00 bis 12:30 Uhr, werden vier innovative Technologien für das Warehouse vorgestellt. Die Anmeldung ist kostenfrei.