Die neue Barcodescanner-Marktübersicht von BVL.digital

Die neue Barcodescanner-Marktübersicht von BVL.digital ist da. In dieser Marktübersicht sollen möglichst alle auf dem europäischen Markt erhältlichen Produkte zum Einlesen von Barcodes vorgestellt werden.

Der seit 1974 im Handel verwendete optische Strichcode ist derzeit die meistverwendete Methode zur automatischen Identifizierung.

Technologieradar

Der BVL-Technologieradar ist eine Navigationshilfe im digitalen Lager − erstellt von Experten für Experten auf gemeinsame Initiative der BVL.digital GmbH und der HUSS-VERLAG GmbH, München, mit Unterstützung der Managementberatung Capgemini Invent. Der BVL- Technologieradar identifiziert und bewertet neuartige Technologien für den Einsatz im Lager. Er basiert auf den Ergebnissen des BVL-Themenkreises „Digitales Lager“.

Marktreport2020-Barcodescanner

Marktumfeld und wichtige Anbieter

Der weltweite Markt für Barcode-Scanner wird auf 11,66 Millionen Geräte pro Jahr mit einem Umsatz von 1,45 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Viele Barcode-Scanner werden seit mehr als 10 Jahren auf dem allgemeinen Markt angeboten, der 2003 eingeführte LS2208 ist das langlebigste Modell. Ältere Barcode-Scanner sind weniger leistungsfähig, aber kompatibel mit der damals eingeführten Software. Deshalb werden sie weiterhin auf dem Markt angeboten. Ein Scanner-Wechsel im laufenden Betrieb (wenn beispielsweise ein Flughafen am 1. August alle Scanner austauschen müsste) würde die Produktivität eines Unternehmens zu stark einschränken.

Die drei Marktführer

Heute (2020) gibt es in Europa und Nordamerika drei bedeutende Hersteller von Barcode-Scannern:

Datalogic wurde 1972 von Romano Volta in Bologna gegründet und wird mittlerweile von seiner Tochter Valentina geleitet. Die wichtigsten Absatzmärkte von Datalogic sind die USA (30-35%), Deutschland (20%), restliches Europa (25%) und Asien (15-20%).

Durch die Übernahme von Metrologic (2008) und Intermec (2013) entwickelte Honeywell aus den USA sich zum weltweit zweitgrößten Anbieter von Barcode-Scannern.

Zebra ist nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Barcode-Scanner und beschäftigt weltweit 8200 Mitarbeiter in 45 Ländern. 2014 übernahm Zebra die Barcode-Scanner-Fertigung von Motorola mit 4500 Mitarbeitern und wurde dadurch zum Weltmarktführer.

Datalogic und Zebra investieren nach eigenen Angaben 10% des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Hersteller aus Asien

Asiatische Hersteller sind auf dem deutschsprachigen Markt weniger stark präsent, sie haben jedoch interessante Nischenprodukte wie Ringscanner oder Hosentaschenscanner entwickelt.

Die japanische Firma Casio ist als Hersteller von Taschenrechnern bekannt, produziert aber auch mobile Datenerfassungsgeräte. Die Firma Opticon produziert in Ashibetsu auf der japanischen Insel Hokkaido mit 233 Mitarbeitern die gesamte Bandbreite von Scannern.

Koamtac aus Südkorea produziert in Seoul leichte tragbare Barcode-Scanner, in der gleichen Stadt produziert Bluebird hingegen mobile Datenerfassungsgeräte.

Cipherlab aus Taiwan brachte 2002 das erste mobile Datenerfassungsgerät (MDE) auf den Markt und gehörte 2006 zu den weltweit führenden Herstellern von Barcode-Scannern. Godex und Unitech sind ebenfalls taiwanesische Firmen.

Guangzhou Netum ist nach eigenen Angaben Marktführer in China. Fujian Newland exportiert seine Produkte vor allem nach Afrika, Asien und Südamerika.

Innovative Nischenanbieter

ProGlove GmbH präsentierte bereits am 7. Mai 2020 den Zuschauern unseres Innovation Pitches seine Smart Gloves – intelligente Handschuhe, auf denen ein Barcodescanner bereits integriert ist. Der 42 Gramm leichte MARK display ersetzt ein Tablet und ermöglicht Lagermitarbeitern freihändiges Arbeiten.

Socket Mobile, ein 1992 gegründetes Unternehmen mit Hauptsitz in Kalifornien, verkaufte 2019 insgesamt 79.041 ausschließlich kabellose Bluetooth-Scanner und erzielte damit einen Umsatz von 19,3 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Datalogic erzielte 2019 einen Umsatz von 612 Millionen Euro, Zebra im Jahre 2018 sogar 4,22 Milliarden US-Dollar.
Außerdem verkauft der Elektronik-Händler Conrad ebenfalls Barcode-Scanner der Handelsmarke Renkforce.

Verschiedene Barcode-Scanner

Die großen Hersteller verwenden eine unterschiedliche Systematik zur Klassifikation ihrer Barcode-Scanner.

Datalogic verwendet den zweiten Buchstaben zur Klassifikation der Verbindungsmethode:

  • BT – Bluetooth (2,4 GHz)
  • D – Kabel
  • M – Funk mit herstellerspezifischer Funkfrequenz (434/910 MHz)

Honeywell verwendet den letzten Buchstaben, um den Einsatzzweck zu verdeutlichen:

  • g – general (allgemein)
  • h – healthcare (Gesundheitswesen)
  • i – industrial (robuste Industriescanner)

Zebra verwendet den ersten Buchstaben, um die Scanmethode zu verdeutlichen:

Je nach Einsatzzweck unterscheidet man folgende Scanner-Arten:

Fest eingebaute / Stationäre Barcode-Scanner

Fest eingebaute Scanner werden vor allem im Einzelhandel verwendet. Die Ware muss zum Scannen vor den Scanner gehalten werden. Wenn die Kunden im Supermarkt selbst die Ware zum Scanner tragen, dann sind fest eingebaute Scanner für das Unternehmen vorteilhaft. Hierzu gehören insbesondere die Kassenscanner mit eingebauter Waage wie Magellan von Datalogic, Stratos von Honeywell oder MP7000 von Zebra.

Allgemeine Handscanner

Allgemeine Handscanner (“Handheld Scanner”) ermöglichen das Scannen der Ware am Lagerplatz vor Ort, ohne dass die Ware bewegt oder umgelagert werden muss. Deshalb ist diese Art von Scannern besonders weit verbreitet und es gibt auch besonders viele Modelle.

Leichte Hosentaschen-Scanner

Leichte Hosentaschenscanner (“Pocket Scanner”) sind vor allem in Asien beliebt. Sie wiegen weniger als 110 Gramm und lassen sich in der Hosentasche transportieren. Der leichteste Hosentaschenscanner, der OPN-2001 von Opticon, wiegt gerade mal 28 Gramm.

Hygienische Krankenhaus-Scanner

Hygienische Krankenhausscanner (“Healthcare Scanner”) lassen sich leicht desinfizieren, bieten keine Rückzugsräume für Bakterien und stören die medizinischen Apparate im Krankenhaus nicht. Zugelassene zertifizierte Krankenhausscanner sind deutlich teurer als normale Handscanner, aber mit einem geringeren Haftungsrisiko für den Anwender verbunden.

Robuste (“Rugged”) Industrie-Scanner

Robuste (“Rugged”) Industriescanner werden im Außendienst, auf Baustellen und in staubigen Produktionsbetrieben verwendet und sind deshalb gegen Staub und Regen besonders geschützt. Zu dieser Kategorie gehören der Granit von Honeywell, der PowerScan von Datalogic und der 3608/3678 von Zebra.

Mobile Datenerfassungsgeräte (MDE)

MDE (Mobile Datenerfassungsgeräte) ermöglichen die Eingabe zusätzlicher Informationen per Kamera, Tastatur oder Touchpad.

MDE-Smartphone / Tablet mit Scanner

MDE-Smartphones / Tablets mit Scanner (“Scanphones”) nutzen GSM (2G), LTE-Advanced (4G+), LTE (4G) oder UMTS (3G) als Mobilfunknetz zur Datenübertragung. Anders als bei Teenager-Smartphones sind die Kameras dieser Industrie-Smartphones auf dunkle oder staubige Industriebetriebe udn Lagerhäuser optimiert.

Scanner als Smartphone/Tablet-Zubehör

Falls der Lagermitarbeiter bzw. die Lagermitarbeiterin ein handelsübliches Smartphone benutzen möchte, dann kann er oder sie auch einen Schlitten (“Sled”) kaufen, der den Scanner als Zubehör in ein handelsübliches Smartphone bzw. Tablet integriert. Ein solches Zubehör wird von den Firmen Bluebird, KoamTac, Renkforce und Socket angeboten.

Ringscanner

Ringscanner können am Finger getragen werden. Sie gehören zu den “Wearables” und ermöglichen beidhändiges Greifen der Ware. Neben den asiatischen Herstellern Fujian Newland, Guangzhou Netum und Unitech haben auch Zebra und Honeywell Ringscanner im Angebot.

Wearable Computer

Wearable Computers verbinden die Funktionalität eines Smartphones mit der Flexibilität von intelligenten Kleidungsstücken (“Wearables”). Auf diesem Nischenmarkt gibt es zwei Anbieter: Unitech und Zebra.

Smart Gloves

Ein Smart Glove ist ein intelligenter, mit Sensoren bestückter Handschuh, der Daten per WLAN überträgt und die Arbeit im Lager und in der Fertigung somit ergonomischer, sicherer und effizienter gestalten soll. Scanvorgänge lassen sich in die natürliche Handbewegung des Lagerarbeiters integrieren. Durch ein direktes Feedback an den Lagerarbeiter werden Fehler vermieden bzw. frühzeitig korrigiert.

Datenbrillen für die Industrie

Datenbrillen sind Brillen, die mit einer Kamera und einem eingebauten Display ausgestattet sind.

Der Markt für Datenbrillen befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Namhafte Hersteller wie Alphabet (Google), DAQRI oder Intel haben die Produktion ihrer eigenen Datenbrillen eingestellt. Es gibt nur zwei Anbieter, deren Datenbrillen für den industriellen Gebrauch unter schwierigen Bedingungen geeignet sind:

Realwear gilt als weltweit führender Anbieter von Datenhelmen (Head Mounted Tablets) für die produzierende Industrie. Ein Datenhelm (HMT) von Realwear kombiniert Bildschirm, Helmkamera, Kopfhörer, 4 Mikrofone mit Spracherkennung, sowie einen tragbaren Tablet-Rechner. Namhafte Kunden wie Airbus, BMW, Colgate-Palmolive oder Shell verwenden Geräte von Realwear, teilweise mit Software von Ubimax. Innerhalb von 18 Monaten (1. Januar 2018 bis 1. Juli 2019) wurden mehr als 15.000 Datenhelme (Head Mounted Tablets) an mehr als 1300 Unternehmen ausgeliefert.

Vuzix wurde 1997 in Rochester, New York von Paul Travers gegründet und hat heute Filialen in Oxford und Tokio. Im ersten Halbjahr 2020 erzielte das Unternehmen Verkaufserlöse in Höhe von 4,6 Millionen USD. Vuzix verkauft drei verschiedene Produkte:

  • die leichte Datenbrille Blade wiegt nur 85 Gramm und benötigt ein Smartphone zur Weiterverarbeitung der Daten.
  • das leichte AR-Headset M300XL wiegt 150 Gramm und kombiniert Bildschirm, Kamera, Mikrofon und Ohrhörer.
  • das staub- und wasserdichte AR-Headset M400 wiegt 180 Gramm und kostet 1800 USD, doppelt so viel wie das Vorgängermodell.

Zebra ist als Hersteller von Barcode-Scannern bekannt. Mittlerweile liefert bietet Zebra auch eine eigene Datenbrille HD4000, die nur 30 Gramm wiegt und als Zubehör für Mobile Datenerfassungsgeräte von Zebra angeboten wird.

Marktreport2020-Barcodescanner

Wie geht es weiter?

In naher Zukunft möchten wir das Technologieradar durch weitere Marktreports ergänzen.