Papierlose Logistik

Papierlose Logistik erscheint vielen Logistikerinnen und Logistikern derzeit noch als eine Utopie.

Unsere Online-Konferenz Paperless Logistics präsentierte am 6. Oktober 2021 Anregungen für eine papierlose Logistik. Ganz im Vordergrund steht dabei das gemeinsame Projekt „Digitaler Lieferschein“ von GS1, BVL & T-Systems. 

Digitaler Lieferschein

Digitaler Lieferschein ist ein Kooperationsprojekt zwischen BVL und GS1 Germany. Im nationalen Warenverkehr übernimmt der Lieferschein häufig die Funktion des Frachtbriefes, weil dieser nicht zwingend erforderlich ist.

Oliver Püthe, Lead Industry Engagement bei GS1 Germany, präsentierte daher den aktuellen Zwischenstand des Projekts:

20 Unternehmen aus den Bereichen

analysierten gemeinsam mit T-Systems Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung. 159 Nutzerinnen und Nutzer erstellten 156 Lieferscheinmappen mit 228 Lieferscheinpapieren, so dass eine Lieferscheinmappe durchschnittlich 1,5 Lieferscheine für Teilladungen umfasst. Daraus entstanden überdies 50 Verbesserungsvorschläge.

Der Fahrer hat über die Karte in seinem Wallet und den darin befindlichen Link jederzeit Zugriff auf den Lieferschein. Der Link läuft allerdings aus Sicherheitsgründen nach Ablieferung und beidseitiger Unterschrift ab.

Oliver Püthe, Lead Industry Engagement bei GS1 Germany,

Die Erfahrung hat gezeigt, dass LKW-Fahrer oft ihre eigenen Mobiltelefone benutzen und dabei ungerne für jeden neuen Kunden eine neue App installieren. Der Lieferschein sollte für den Fahrer bis zur Ablieferung der Ware abrufbar sein.

Ludger Vennewald, Head of Sales bei T-Systems International, versicherte, dass der Digitale Lieferschein in der Open Telekom Cloud nach europäischen Datenschutzrecht verarbeitet wird. Bei iPhone ist das Wallet bereits Standard, beim
Android-Mobiltelefon muss es jedoch vom Nutzer installiert werden. Nach derzeitigem Stand ist eine Nachbearbeitung des Digitalen Lieferscheins nicht möglich.

Digitalisierung des Außenhandels

Oliver Wieck, Generalsekretär bei ICC Germany e.V., wies darauf hin, dass aufgrund der Corona-Krise viele Dokumente nicht rechtzeitig zugestellt werden konnten. Dadurch kam es zu Zahlungsverzögerungen. Jedes Land hat seine eigenen gesetzlichen Vorschriften.

Henning Witte von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG betonte, dass der digitaler Lieferschein Zahlungen beschleunigen soll. Derzeit beträgt der Klärungszyklus bei Abweichungen zehn Werktage. Zukünftig soll die Rechnungsstellung nach dem First-Time-Right-Prinzip erfolgen, also zum ersten Zeitpunkt, an dem beide Parteien den korrekten Lieferstatus bestätigen.

Harald Schön, Referent für Transportrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, betonte, dass gesetzliche Regelungen langfristig gelten und deshalb nicht zu schnell veralten dürfen.

Man kann elektronische Verfahren nicht bis ins letzte Detail regeln.

Harald Schön, Referent für Transportrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Schon jetzt können sich zwei Parteien auf alternative Dokumente einigen – der Elektronischer Frachtbrief (e-CMR) gilt als gleichwertiges Dokument, wenn sich beide Parteien darauf geeinigt haben.

Linux für die Logistik

Michael Schmidt und Patrick Becker vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) präsentierten einen digitalen Frachtbrief (eCMR), dessen Quellcode ab Dezember 2021 als Open Source verfügbar sein soll. Dafür entwickeln sie eine webbasierte Anwendung zur Erzeugung, Weitergabe und Speicherung von digitalen Frachtbriefen, die mittels QR-Code geteilt werden können. Folgende Errungenschaften sollen dabei die Datenintegrität und Authentizität gewährleisten:

  • Unterschrift per digitale Signatur
  • Speicherung von Hashwert und ID in der Blockchain
  • Nachvollziehbarkeit durch Versionshistorie

Hans Huber von der Commerzbank berichtete, dass die Commerzbank derzeit ihre gesamten Prozesse digitalisiert.
ML-ETR-Umsetzung in Deutschland

paperless.trade [ist] eine gemeinsame Initiative zur Digitalisierung des internationalen Handels

Hans Huber, Commerzbank

VDA-Standards in der Lieferkette

Seit 1977 veröffentlicht der Verband der Automobilindustrie (VDA) Richtlinien für einen elektronischen Datenaustausch. Jenny Hertzfeldt, Referentin in der Abteilung Produktion, Logistik & Aftermarket beim VDA, präsentierte deshalb die VDA-Empfehlung 4999 – Papierlose Transportprozesse V1.0 in der Fassung vom 30. Juni 2021

Abschnitt 2 dieser Empfehlung vereinheitlicht die Begriffsbestimmung.
Der folgende Abschnitt 3 kategorisiert den Transportprozess:

  • Komplettladung (FTL Full Truck Load) bezeichnet dabei Transporte, bei denen die gesamte Ladung vom Warenversender zum Warenempfänger ausschließlich mit einem einzigen Fahrzeug transportiert wird.
  • Teilladung (LTTL Less-than-Truck-Load) bezeichnet hingegen Transporte, bei denen mehrere Ladungen gleichzeitig mit einem Fahrzeug transportiert werden.
  • Milk-Run bezeichnet darüber hinaus Sammeltransporte von einem Warenversender zu mehreren Warenempfängern oder von mehreren Warenversendern zu einem Warenempfänger.
  • Segmentierte Transportprozesse sind solche Transporte, die über mehrere Zwischenstationen abgewickelt werden.

Anschließend umfasst Abschnitt 4 eine Bestandsanalyse,

Mit der VDA-Empfehlung 4939 – Transport- und Sendungsbelege in der Fassung vom 30. Juni 2021 werden einheitliche Belege für die Güterversendung in der Automobilindustrie zwischen Versender, Spediteur und Empfänger definiert.

Für den Gütertransport geltende Gesetze, Verordnungen oder Vorschriften sind ausnahmslos zu beachten und haben immer Vorrang gegenüber den nachfolgenden Empfehlungen. Bei grenzüberschreitendem Verkehr gilt dies auch für nationale Vorschriften der betroffenen Länder.

VDA-Empfehlung 4939 – Transport- und Sendungsbelege in der Fassung vom 30. Juni 2021

Papierlose Logistik in der Automobilindustrie

Abschnitt 5 beschreibt den Sollzustand in den verschiedenen Transportprozessen. Digitale Lieferprozesse müssen auch bei Prozessstörungen, beispielsweise Ausfall eines Geräts oder einer Internetverbindung, einwandfrei funktionieren.

Ein Minimum Viable Product umfasst dabei folgende Funktionen:

  • Reservierung von Transportkapazität
  • Bestätigung von Transportkapazität
  • Verknüpfung zwischen Sendung und Transportmittel
  • Transportstatus einschließlich Abweichung von Soll- und Istmengen
  • Übergabe-/Übernahmemeldung
  • Schadensmeldung und Report von IoT-Geräten

Abschnitt 6 präsentiert darüber hinaus das Folgeprojekt Papierlose Transportprozesse.

  • Elektronischer Beladeplan
  • Integrität und Unbestreitbarkeit der Dokumente
  • Elektronischer Frachtbrief (e-CMR)
  • Begleitpapiere für Batterien
  • Gefahrgut-Leitfaden
  • Abliefernachweis in Blockchain sichern
  • Abgleich mit API-Projekten
  • Transport Track & Trace API

Derzeit entwickelt der VDA zwei Richtlinien zur Sendungsnachverfolgung:

  • VDA 4987 mit Sendungsbezug
  • VDA 4945 mit Fahrzeugbezug

Papierlose Logistik auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2021

Ludger Vennewald präsentiert am 21. Oktober 2021 ab 10.30 Uhr auf dem Deutschen Logistik-Kongress das Projekt zum digitalen Lieferschein.

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