Neue Fahrer mobilisieren: Eine Erfolgsgeschichte aus Ostfriesland

Elefantenrennen auf der Autobahn, blockierte Straßen durch einparkende Lkws und Lkws, die trotz diverser Mängel auf der Straße sind. Dies sind nur einige Eindrücke Dritter über Lastkraftwagen. Mit diesem Image einhergehend herrscht seit Jahren ein Fachkräftemangel in Bezug auf den Beruf Berufskraftfahrer.
Am Tag der Logistik 2019 wurde das Thema von der Industrie- und Handelskammer Oldenburg aufgegriffen und mit Interessierten diskutiert. Die Erkenntnisse, die aus den Vorträgen und Gesprächen hervorgingen, werden in diesem Beitrag aufgeführt.

Wie nimmt die Öffentlichkeit den Beruf des Lkw-Fahrers wahr?

Die Antwort ist eindeutig: negativ! Gerade die Presse unterstreicht immer wieder diesen Eindruck mit Schlagzeilen wie „Lkw-Fahrer alkoholisiert am Steuer“ oder „Lkw mit 70 Mängeln aus dem Verkehr gezogen“. Beachtet wird dabei allerdings von niemandem, dass dies nur auf vereinzelte Lkws und Lkw-Fahrer zutrifft und der Großteil der Fahrzeuge und Fahrer ordnungsgemäß auf der Straße fahren.
Auch ist bei vielen Menschen die Bedeutung des Lkws und des Berufs des Lkw-Fahrers nicht klar: Lkw-Fahrer sorgen mitunter dafür, dass die Waren, welche wir täglich konsumieren, in den Einkaufsläden verfügbar sind. Was wäre also der Handel ohne Lkws?

Der Tatsache, dass der Beruf öffentlich negativ wahrgenommen wird, soll nun entgegengewirkt werden. Viele Initiativen setzen sich dafür ein, den Beruf attraktiver zu machen und die Bedeutung des Lkw-Verkehrs sowie der Logistik zu stärken. Profi-Trucker, die Wirtschaftsmacher und der Tag der Logistik sind nur wenige solcher Kampagnen. Aber sie alle haben ein und dasselbe Ziel: Die Neugierde und das Interesse an Logistik wecken!

Einsatz für mehr Ausbildungen zum Berufskraftfahrer

Die negative Sichtweise auf den Beruf führt weiterhin zu einer geringen Zahl von Berufseinsteigern. Auch besitzt die Ausbildung eine überdurchschnittlich hohe Abbruchquote. Der Ostfriesisch-Papenburger-Ausbildungsverbund für Logistikberufe (O.P.A.) geht gegen diesen Trend an. Der im Jahr 2012 gegründete Verbund setzt sich aus vier Transportunternehmen und dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen e.V. zusammen und bietet verschiedene Ausbildungen in der Logistikbranche an, darunter die Ausbildung zum Berufskraftfahrer.
Die erste Berufskraftfahrer-Klasse an einer berufsbildenden Schule startete mit knapp 20 Auszubildenden – Nun können sogar 40 bis 50 Auszubildende jährlich verzeichnet werden. Die Auszubildenden wechseln während ihrer Ausbildung zwischen den kooperierenden Unternehmen, sodass sie viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln können. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist keineswegs einfach – so müssen auch Fächer wie Mathematik und Physik, z.B. für eine optimale Ladungssicherung, beherrscht werden. Die teilnehmenden Unternehmen des Verbundes können mithilfe dieser Initiative jährlich alle ausgeschriebenen Stellen besetzen.
Weiterhin setzt sich O.P.A. mit der Informationsveranstaltung Tag der Logistikberufe dafür ein, die Logistikbranche für Schüler greifbarer zu gestalten. Schulklassen können während dieser Veranstaltung beispielsweise einen Parcours mit einem Gabelstapler fahren, eine Zugmaschine steuern oder Auszubildende über ihre Erfahrungen befragen.

Es ist erforderlich, die Attraktivität der Logistikbranche zu erhöhen und die Leidenschaft an Dritte weiterzugeben – seien es Schüler, die über ihren zukünftigen Beruf nachdenken, oder Arbeitslose, die einen passenden Job suchen. In allen Fällen gilt: Diese Menschen müssen abgeholt, von der Logistik überzeugt und begeistert werden! Bei Schülern ist es allerdings ebenfalls wichtig, die Eltern von der Logistik und den beruflichen Chancen zu überzeugen.
Natürlich ist die Verbesserung des Images von Lkw-Fahrern und deren Arbeitsbedingungen genauso bedeutend. Abgesehen vom Lohn, ist der Beruf beispielsweise in vielen Fällen nicht mit der Familie zu vereinbaren, da die Fahrer über mehrere Wochen unterwegs sind. Wird nun das Arbeitsfeld von Lkw-Fahrern attraktiver gestaltet und die Logistik an Menschen vermittelt, ist es möglich, den Fahrermangel zu reduzieren und mehr Menschen für die Arbeit als Berufskraftfahrer zu begeistern.


Die BVL bringt sich in den Themenkreis Digitalisierung der Transportlogistik am 14. Mai in Berlin ein, in dem Logistiker den Vernetzungsgrad zwischen Unternehmen, aber auch das Thema Fahrermangel diskutieren. Zudem erstellt die BVL.digital eine Studie, welche das Problemfeld des Fahrermangels tiefer beleuchtet.