Luftfracht: Preise heben ab

Der Gütertransport von Asien nach Europa, sei es per Luftfracht oder per Seefracht, ist in den vergangenen Monaten laufend teurer geworden. Aufgrund der Corona-Krise wurden viele Flüge gestrichen, dies hat die Luftfrachtkapazitäten deutlich reduziert. 

Steigende Preise für Luftfracht

Dezember 2019Dezember 2020Steigerung
Hong Kong – Nordamerika3,62 $/kg7,50 $/kg+107%
Hong Kong – Europa3,26 $/kg5,59 $/kg+71%
Frankfurt – Nordamerika1,76 $/kg5,00 $/kg+184%
Quelle: https://www.aircargonews.net/data-hub/airfreight-rates-tac-index/

Welche Gründe sind für den Preisanstieg verantwortlich?

  • Vorprodukte für Corona-Impfstoffe und Corona-Tests werden per Luftfracht transportiert.
  • Immer mehr Menschen arbeiten zu Hause und benötigen dafür zusätzliche elektronische Geräte (z.B. Laptops) oder zusätzliche Möbel.
  • In der Automobilindustrie gibt es eine steigende Nachfrage nach Chips, die deshalb bei Produktionsengpässen oft eingeflogen werden.

Der Preisanstieg für Kühltransporte nach Afrika ist beispielsweise besonders dramatisch. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass ein namentlich nicht genanntes Luftfrachtunternehmen 105 $ pro Kilogramm für einen tiefgekühlten Lufttransport von Texas nach Sierra Leone haben wollte. Handelt es sich um einen Einzelfall oder einen Trend?

Qatar Airways meldet ebenfalls steigendes Interesse an Luftfrachttransporten. Ein Lufttransport von China nach Europa, der im vergangenen Jahr rund 300.000 US-Dollar kostete, wird in diesem Jahr mit 1,5 Millionen US-Dollar gehandelt, ein Lufttransport von China in die USA sogar mit 2 Millionen US-Dollar. Guillaume Halleux, Chief Officer Cargo bei Qatar Airways, betont, dass sein Unternehmen aus ethischen Gründen keine überhöhten Preise für medizinische Hilfstransporte verlangen möchte. Lufttransporte mit medizinischen Hilfsgütern werden weiterhin für 1 Million US-Dollar transportiert. Dies habe zur Folge, dass Sendungen mit Unterhaltungselektronik fälschlicherweise als medizinische Hilfsgüter deklariert werden.

Cargo.one, ein Berliner Startup, entwickelt eine Plattform, mit der Speditionen die Spotraten von Luftfrachtkapazitäten der teilnehmenden Airlines in Echtzeit abrufen und buchen können. Oliver Neumann, Gründer und Managing Director von cargo.one, berichtet hierzu in der neuesten Episode des BVL.digital-Podcast über die Entwicklung seines Unternehmens.

Steigende Preise für Seefracht

Der „Shanghai Containerized Freight Index“, der die durchschnittliche Frachtrate aller Containertransporte ab Shanghai repräsentiert, hat am 5. Februar 2021 mit 2885 ein neues Allzeithoch erreicht, wohingegen er im Dezember 2019 noch um die 1000 Punkte schwankte. Der Baltic Dry Index, ein Referenzwert für Seefrachtraten, stieg ebenfalls innerhalb eines Jahres von 557 (am 24. Januar 2020) auf 1810 (am 22. Januar 2021).

Steigende Umschlagmengen führen automatisch zu längeren Wartezeiten in den Häfen. Im Hafen von Los Angeles wurden im Dezember rund 23% mehr Container als im Vorjahresmonat umgeschlagen:

Dezember 2019Dezember 2020Steigerung
Long Beach323.231 TEU406.072 TEU+26%
Los Angeles373.511 TEU460.865 TEU+23%
Quelle: https://www.supplychaindive.com/news/california-port-congestion-los-angeles-long-beach-data/594715/

Während der Corona-Krise standen viele Container ungenutzt im Hafen. Jetzt werden diese Container aber in China gebraucht, um Industrieprodukte zu transportieren. Auf der ganzen Welt gibt es ungefähr 180 Millionen Container, die inzwischen angesichts steigender Transportmengen langsam knapp werden. Schiffe transportieren dafür leere Container nach China. Cainiao, die Logistik-Tochtergesellschaft von Alibaba, eröffnet deshalb einen neuen Marktplatz für Containertransporte.

Peloton, Hersteller von Fitnessgeräten, vermeldet infolge des Booms sowohl steigende Umsätze als auch steigende Logistikkosten, die sich mittlerweile verzehnfacht haben. Zusätzliche Bestellungen müssen entweder als Luftfracht, als Seetransport mit anderen Reedereien zu deutlich höheren Kosten oder als längere Landtransporte über schwach ausgelastete Seehäfen ausgeführt werden. Angesichts steigender Logistikpreise plant Peloton darüber hinaus, zusätzliche Produktionsbetriebe in den USA zu eröffnen.

Nachhaltige Alternativen zur Luftfracht

Während der Corona-Krise vergrößern sich sowohl das Transportvolumen als auch das Außenhandelsungleichgewicht. Im Augenblick ist die schnelle Lieferung für viele Unternehmen wichtiger als ein nachhaltiger Transport.

Sowohl der Lufttransport als auch der Schiffstransport verursachen erhöhte CO₂-Emissionen. Kuehne + Nagel möchte bis 2030 die vollständigen CO₂-Neutralität aller Logistik-Dienstleitungen erreichen, berichtet Michael Maass, Vice President Sustainability Solutions Sea bei Kuehne + Nagel, daher im BVL-Podcast-Interview mit Boris Felgendreher. Der SeaExplorer von Kuehne + Nagel berechnet nicht nur die Pünktlichkeit, sondern auch den CO₂-Fußabdruck eines Transports und ermöglicht somit die Auswahl emissionsärmerer Schiffe und Routen. Auf jeder Rechnung wird daher automatisch der erzeugte CO₂-Footprint auf der Rechnung dargestellt.

Durch den Einsatz von Biofuel soll hingegen ein emissionsfreier Schiffstransport möglich werden. Wenn 10% des Schiffsdiesels durch Biofuel ersetzt werden und 10% der Kunden einen emissionsfreien Schiffstransport buchen, dann haben diese 10% rein rechnerisch einen emissionsfreien Schiffstransport durchgeführt.

Über die Neue Seidenstraße – Alternative Transportwege nach Asien geht es außerdem in der 36. Folge des BVL.digital-Podcast. Züge sollen innerhalb von acht bis zehn Tagen Container von Duisburg nach China transportieren.

Steigende Luftfrachtkosten bieten somit einen finanziellen Anreiz zur Verlagerung von Transporten oder zur Regionalisierung der Produktion.

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